fahrendes Volk (10.10.2011)
... lagert unten am Fluss

Saint Antonin Noble Val ist eine zauberhafte mittelalterliche Stadt am Aveyron, Südfrankreich.
Sie hat schon was, diese kleine Stadt - mit ihren Häusern, die uns so anders erscheinen, mit dem Fluss, mit den Menschen, die etwas dunkler aussehen, die mit mehr Leichtigkeit leben, mit der Freundlichkeit und der anderen Wärme ...
Man fühlt sich hier wohl, fühlt sich an- und aufgenommen.
Jeden Sonntag gibt es hier den Markt, der sich durch die gesamte Stadt schlängelt. Irgendwie beginnt er immer noch in der alten Makthalle. Fast jeder Ort hier hat so eine Halle, die einen ganz besonderen Zauber hat. Man denkt unwillkürlich an die Zeit des Mittelalters ...
In der Halle haben zwei Bauern mit ihren Familien ihren Standort. Man kennt sie; sie sehen auch so typisch aus ... so klein und mit den so abstehenden Ohren ... und den vielen Beuteln ...
Sie bieten immer wieder das Gewachsene an - frisches Obt und Gemüse. Es ist nicht genormt, hat hier und da Flecken, ist nicht ganz gerade ... oder so, aber man weiss genau, es schmeckt gut - oder besonders gut. Möhren, Knoblauch, Kartoffeln ... und noch viel mehr.
Und man spricht miteinander, das ist es wohl auch, was den Charm ausmacht.
Am Hallenplatz unter der alten Ulme trinkt man seinen Kaffee oder den Aperitiv, plaudert, lässt den Gedanken freien Lauf, hört dem Marktgebrabbel zu, lauscht der Musik.
Man bekommt auf dem Markt wohl fast alles - Kürbisse, Erdbeeren, Rosen, Tomaten in allen Größen, Oliven aller Art, Käsesorten ohne Ende, Weine, Marmelanden, Brote, Fleisch und Wurst, irdene Töpfe, Hüte, Spielkram, Schmuck und Tand, Bilder ... und auch gutes Essen ...
Dazu die Musik.
Fast jeden Sonntag anders. Da ist der dunkle junge Mann mit dem transportabelen "Klavierersatz", der die Klassik mag, da wird mal getrommelt, mal nur gesungen, mal kommt junges Volk mit der Ziehharmonika und der Trommel und legt los.
Man entkommt dem Zauber nicht.
Alles wippt in einem mit, man tanzt unweigerlich innerlich mit - Freude pur.
Und man wirft oder legt etwas Kleingeld in den Hut oder in den Geigenkasten oder so ...
Man sieht eigentlich nur frohe und zufriedene Gesichter ...
Gegen 14 Uhr dann fangen die Händler an, wieder einzupacken. Der "Neger" (er wird hier nur so genannt und mag es) räumt die Taschen und Gürtel in sein Auto, die Gemüsefrau verstaut den kleinen Rest in die Kisten, die Gewürztante schließt die unzähligen Tüten, die einen irren Duft in der Stadt verteilen, der Rosenmann verschenkt den letzten Strauss, der Teemann ist wie immer der letzte auf dem Platz - er nimmt es sehr genau mit allem.
Unter der alten Kastanie werden leere Kisten, Kartons und Beutel aufgestapelt. Nicht mehr lange und der Müllmann kommt und sammelt alles ein. Vorher aber kommt, fast immer, der kleine "Kaninchenmann" (wohl nur 1,50 m) mit seinem Moped und dem kleinen Anhänger. Er sucht erst einmal die Reste durch, findet immer Möhrenkraut und Salatblätter ... auch Holzkisten sind gut, man braucht sie, zerkleinert, zum Anzünden des Kamins.
Dann wird es ganz ruhig in Saint Antonin Noble Val.
Der Makt ist vorbei. Am Abend aber wird es in der Markthalle und im Kaffee davor wieder lebendig.
Pizza, hauchdünn und köstlich, Rotwein und lauer Wind, der durch die Ulmanblätter weht ... was für ein Tag neigt sich dem Ende zu ...
Karin Mußfeldt
Wir bedanken uns bei Karin Mußfeldt für die Fotos.
[alle Schnappschüsse anzeigen]





