Handwerksgeschichte (14.11.2011)

... in Flaschenform

 

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Einst waren es gängige Gebrauchsgegenstände, heute sind sie beliebte Sammlerobjekte: Flaschen, Becher und Gefäße aus Waldglas. Ab sofort sind die zerbrechlichen Stücke in grün und braun im Goldberger Naturmuseum zu sehen. Gesammelt hat sie Hans Hentschel, der frühere Museumsdirektor. Viele wurden ihm als Funde gebracht. "Jedes Stück hat seine eigene Geschichte und die kenn ich, selbst wenn ich jetzt in Rente bin, noch alle", sagt er.

Die Exposition ist anlässlich des Treffens der Waldglasfreunde in Langen Brütz konzipiert worden, zu dem auch ein Ausflug ins Goldberger Naturmuseum gehörte. Die Ausstellung soll in den kommenden Wochen Interessierten Gelegenheit geben, den geschichtsträchtigen Werkstoff zu entdecken. Unter den Ausstellungsstücken finden sich nicht nur Bouteillen, Becher und Tintenfässchen. Auch Werkzeuge, mit denen das Glas einst bearbeitet worden war, oder aber Glasstempel werden präsentiert. Zudem verfügt die Ausstellung über ganz besondere Schätze: In einer Vitrine thront eine dunkelgrüne Glasglocke. Das Stück stand ursprünglich im Warener Museum, erinnert sich Hentschel. Dann sei es zerschlagen worden und sollte entsorgt werden. Der Enkel des im Warener Museums tätigen Entomologen nahm sich der Glocke an, flickte sie wieder zusammen und bewahrte sie so für die Zukunft. "Das ist eine echte Rarität", sagt Jürgen Lewerenz vom Mecklenburger Waldglasmuseum in Langen Brütz. Auch ein Tonmodel gehört zu den ausgestellten Objekten. In ihm wurden früher Glasflaschen geformt. "Normalerweise sind diese Modele aus Holz. Deshalb ist dieses hier schon etwas Besonderes", verdeutlicht Lewerenz.

Er und die Waldglasfreunde - darunter viele Sammler - begutachteten bei ihrem jetzigen Besuch in Goldberg jedoch nicht nur die Sonderausstellung, sondern auch die anderen Schätze, die das Naturmuseums zu bieten hat. Vor allem die umfangreiche Tierpräparatesammlung machte Eindruck. "Heimatmuseen haben aber leider fast alle das gleiche Problem: Sie sind schön, haben schöne Sammlungen, aber Schwierigkeiten, zu überleben", sagt Jürgen Lewerenz. Auch am Goldberger Museum ist der Zeitenwandel nicht spurlos vorbei gegangen. Waren hier früher zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiter tätig, sind es heute Stundenkräfte, die den Betrieb aufrecht erhalten. Doch die Stadt hält an dem 1927 gegründeten Kulturgut fest. Nicht ohne Grund: Schließlich ist es das Gedächtnis einer ganzen Region. In seinen Archiven schlummern viele Schätze. Einige davon sind jetzt in der Waldglasausstellung zu sehen. "Wir wollen zeigen, was sonst im Verborgenen liegt", sagt Museums-Chefin Roswitha von Pich-Lipinski. Noch bis zum 20. Dezember haben Besucher Gelegenheit, die Stücke zu bestaunen.

Auch in Langen Brütz drehte sich am Wochenende alles um das Waldglas. Neben der Tour ins Goldberger Heimatmuseum rundeten Fachvorträge und eine Glassammlerbörse das 5. Treffen der Waldglasfreunde ab. Von Jahr zu Jahr nehmen mehr Fans der alten Schätzen an der Veranstaltung teil. Deshalb will das Mecklenburger Waldglasmuseum noch höher hinaus: Im Jahr 2015, anlässlich 400 Jahre Waldglas in der Region, soll in Langen Brütz ein Glasofen entstehen und Glas hergestellt werden, verrät Jürgen Lewerenz.

 

Quelle: www.svz.de

 
 
 

Foto vom Album: Handwerksgeschichte
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