Das Flöckchen (14.02.2011)


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Der kleine Wassertropfen lümmelte sich in der weißen Wolke am blauen Himmel. Streckte die Beinchen mal hier, mal dort hin aus, ließ die Sonnenstrahlen das Bäuchlein kitzeln. Was für ein Leben so hoch über der Erde.

Ab und zu luscherte das Tröpfchen schon mal nach unten. Dort war's so bunt - so viel grün, gelb, rot, blau ... ach ja, was dort wohl los sein mag, dachte es schon oft.

Dann aber deckte es sich wieder flauschig zu, schlief etwas und träumte so vor sich hin ...

Nach dem Sommer in den Wolken hoch oben zog der Herbst ein; mit Gebraus. Buh, manchmal wurde es dem Tröpfchen schon kalt. Unten auf der Erde wurde es gelb - braun, aber wunderschön. Wie Gold, dachte das Tröpfchen, deckte sich wieder zu und genoß den wärmenden Sonnenstrahl. Manchmal, so dachte es dann, möchte ich schon mal da unten sein. Zu den schönen Farben gab es dort auch Bewegung. Dort krabbelte ja so viel herum.

Ach ja, so träumte das Wassertöpfchen jeden Tag so vor sich hin. Ob ich wohl mal nach unten komme? Das wäre schon schön, aber wie kommt man dann wieder hoch ...

So vergingen auch die Herbsttage. Es wurde noch kühler. Der Winter hielt Einzug. Das Tröpfchen schaute nach unten.

Ach, nun war's dort gar nicht mehr so bunt. Was ist denn nun los? Es machte sich schon seine Gedanken, ließ die kleinen Beinchen baumeln. Doch dann, auf einmal, plumps, da trudelte es aus dem Wolkenbett. Huch, was ist denn das?

Das Tröpfchen fühlte sich so leicht, schwebte hin und her, trudelte langsam nach unten. Aber - was war denn das - es war ja gar kein Tröpfchen mehr. Irgendwie wurde es kühler, das Tröpfchen fühlte sich wunderbar, trug ein weißes Spitzenkleid, schwebte wie auf Wölkchen in der Luft. Und es war gar nicht allein, nein, viele Flöckchen trudelten in der Luft und alle freuten sich. Das war ja ein Spaß.

Immer näher kam die Erde, die nun schon ein weißes Kleid trug.

Sieh mal, Mutti, rief ein kleines Mädchen, da kommt aber eine schöne Schneeflocke!

Es strecke die Hand aus und schwups landete die Flocke auf dem Handschuh des Mädchens. Das ist aber ein wunderschöner Schneestern, sagte die Kleine und zeigte ihn der Mutti.

Und beiden war, als zwinkerte das Sternchen ihnen zu. Behutsam setzte das Mädchen den Stern auf eine verblühte Pflanze und betrachtete ihn lange.

Das war aber eine Freude für das Wassertröpfchen. Was für eine wunderbare Verwandlung und dazu nun auch noch auf der Erde.

Auf der alten Sonnenblume fühlte sich der Schneestern richtig wohl, streckte die weißen Spitzen hier und da hin aus. Die Kühle war angenehm. Und man war auch nicht allein, überall waren Sternchen ...

Tag für Tag beobachtete das Wassertröpchen nun das Leben auf der Erde. Aber es waren ja keinen Farben da, alles nur weiß.

Und nachts war es stockdunkel.

Eines Tages aber kroch die Sonne hervor und sendete wärmende Strahlen auf die Erde. Huch, dachte das Sternchen nun, was wird denn das heute, das Leben ist aber wundersam.

Dem Sternchen wurde ganz komisch zu mute, die Eckchen wollte sich biegen ... und auf einmal, plautsch, da fiel es als Tröpfchen auf die Erde.

Ohhh, dachte das Tröpfchen, das ist ja was, ob ich wieder nach oben zu meinen Wolken komme?

Kaum ausgedacht, begegnete dem Tröpfchen etwas Grünes.

Wer bist denn du?

Ich bin ein Grashalm und weisst du was, ich freue mich so, dass du hier bist, ich hatte solchen Durst.

Beide umschlangen sich fest und waren sehr glücklich.

Ich will gar nicht mehr nach oben, nein, nun bleibe ich hier, rief voller Freude das Wassertröpfchen - und es erlebte das Wachsen der Gräser, sah die vielen bunten Farben, fühlte die wärmende Sonne, hörte Gesumm und Gebrumm und - war zufrieden mit seinem Leben.

 

Karin Mußfeldt

 

 
  

Foto vom Album: Das Flöckchen
Foto vom Album: Das Flöckchen
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