"Qualitätsnaturpark" (04.01.2012)

Neue Projekte auf den Weg gebracht

Vorschaubild der Pressemittteilung

Der Naturpark Nossentiner / Schwinzer Heide hat in den zurückliegenden zwölf Monaten vor allem auch mit Aktivitäten in neuen Bereichen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er wurde als "Qualitätsnaturpark" ausgezeichnet. SVZ-Autor Jürgen Dembski sprach mit Jörg Gast, Leiter der Verwaltung.

 

Frage: Wie beurteilen Sie das Jahr 2011 insgesamt?

Jörg Gast: Wir haben Neues auf den Weg gebracht, um die Attraktivität des Naturparkes weiter zu erhöhen. Unter dem Strich können wir sehr zufrieden sein, wenn es auch in dem einen oder anderen Bereich hätte besser laufen können.

Was haben Sie im Blick, wenn Sie von Neuem sprechen?

Jörg Gast: Ich denke hier vor allem an das Großprojekt Waldlehrpfad für Menschen mit Behinderung bei Bossow, das wir in Angriff genommen haben. Dabei handelt es sich um eines unserer anspruchsvollsten Vorhaben. Das ist eine echte Herausforderung, zumal wir Neuland betreten. Die erste Etappe, der Abriss der auf dem Gelände des ehemaligen Munitions- und Versorgungslagers Bossow befindlichen Hallen ist angelaufen - wenn auch mit einigen Schwierigkeiten. Aber der Aufwand ist erheblich, zumal mit dem anfallenden Asbest relativ viel Sondermüll zu entsorgen ist. Einheimische Spezialfirmen sind mit schwerem Gerät am Wirken.

Wann beginnt der Aufbau des "NaturParcours"?

Jörg Gast: Ich gehe davon aus, dass etwa Mitte des Jahres das für den Waldlehrpfad vorgesehene Gelände, das immerhin rund zehn Hektar umfasst, beräumt ist. Dann steht die unmittelbare Vorbereitung des Aufbaus des Waldlehrpfades im Mittelpunkt. Das wird 2012 ein zentraler Schwerpunkt unserer Arbeit. Dazu gehört in der nächsten Phase insbesondere eine Konkretisierung der gesamten Planung, einschließlich Finanzen.

Bunker sollen als Fledermausquartiere dienen. Wie ist der Arbeitsstand?

Jörg Gast: Die Optimierung von acht einstigen Bunkern als Winterquartier für Fledermäuse konnten wir abschließen. Das ist insofern von besonderer Bedeutung, da das Fledermausprojekt in dieser Dimension ein Alleinstellungsmerkmal des künftigen Naturlehrpfades sein wird. Die Bunker sind ideal für Fledermäuse und für Besucher. Denn zwei von diesen werden begehbar sein, wobei wir durch Sonderführungen mit Infrarotkameras den Besuchern die Tiere näherbringen, ohne diese zu stören.

Was waren weitere spezifische Schwerpunkte 2011?

Jörg Gast: Dazu zählt zweifellos die Renaturierung des einzigen rund 1.5 Kilometer langen Grabens zwischen Bossower See und Krakower Obersee. Der einst überdimensioniert auf eine Breite von vier Meter ausgebaute Graben ist heute wieder ein naturnaher Bach - etwa einen Meter breit und Lebensraum u.a. für den Fischotter. Das Projekt mit einem Kostenrahmen von rund 100 000 Euro wurde von der EU gefördert. Dieses Vorhaben ist übrigens Bestandteil des Großprojektes Renaturierung der Nebel zwischen der A 19 bei Linstow und dem Krakower Obersee. Dieses ist auf drei Jahre angelegt und 2012 gleichfalls ein wichtigen Schwerpunkt unseres Wirkens. Gestartet haben wir in diesem Jahr außerdem das Projekt "Junge Riesen". Im Kern geht es darum, aus den Samen von alten ehrwürdigen Bäumen, wahren Naturdenkmälern wie z.B. der stärksten Buche in Mecklenburg, junge Bäume, sprich junge Riesen zu ziehen.

Welchen Stellenwert nahm die wissenschaftlichen Arbeit ein?

Jörg Gast: Einen hohen. Ein große Rolle spielen Monitoring-Aufgaben, die von unseren vier Rangern wahrgenommen werden. Ein Bereich bildet dabei die kontinuierliche Erfassung verschiedener Arten, um daraus Entwicklungstrends abzuleiten. So wurde z.B. der Fischotter verstärkt im Gebiet der Brücke zwischen Karow und Alt Schwerin (Landkreise Mecklenburgische Seenplatte sowie Ludwigslust-Parchim) unter die Lupe genommen, um die Effektivität der dort zum verstärkten Schutz dieser Tiere getroffenen Maßnahmen zu prüfen. Sehr aufmerksam verfolgen wir die Entwicklungen von Fischadler, Seeadler und Fledermaus. Auch das sind langfristig angelegte Projekte. Eine weitere Aufgabe bildet die regelmäßige Überwachung von See- und Grundwasserpegeln. Ziel ist es, mögliche Auswirkungen der Klimaveränderungen, wie z.B. den Rückgang des Wasserstandes bei Seen, zu erkennen. Von nicht geringerer Bedeutung ist die regelmäßige Wasservogelzählung, die Bestandteil bundesweiter Erfassungen ist. Eingebunden ist der Naturpark ebenso in die Managementplanung für FFH-Gebiete, wie z.B. den Plauer See. Das Kernziel: Lebensräume und Artenvielfalt zu erhalten und möglichst weiter zu verbessern.

Wie beurteilen Sie das auf der touristischen Strecke Erreichte?

Jörg Gast: Wir konnten 2011 rund 10 000 Gäste begrüßen, was in etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht. Als Höhepunkte haben sich solche traditionellen Veranstaltungen erwiesen wie der Wandertag/woche, das Kinderfest sowie die erstmals durchgeführten Herbstfest - Aktionen, die auch 2012 wieder geplant sind. Aber vor allem wurden natürlich Führungen sehr gern angenommen. Wichtig für unsere Gäste ist aber ebenso die tagtägliche "Kleinarbeit" unserer Ranger. Im Rahmen unseres Leit- und Informationssystems "Info-Direkt", das rund 600 Tafeln im Gebiet des Naturparkes umfasst, mussten z.B. 20 erneuert werden. Das schließt ein, dass diese auch inhaltlich auf den neuesten Stand gebracht wurden. Diese Arbeit ist mit großem Aufwand verbunden, was auch für die teilweise Erneuerung der Beschilderung von Waldwegen zutrifft. Nicht zuletzt haben wir die Eingangsbereiche zum Naturpark in Kläden und bei Spendin neu gestaltet.

Wie bewerten Sie das Wirken des Fördervereins?

Der Förderverein, der im Dezemer sein 20-jähriges Jubiläum beging, ist untrennbarer Bestandteil unserer Arbeit. Bei nicht wenigen Projekten ist er die tragende Säule. Diese reichen von touristischen Vorhaben über die naturwissenschaftliche Tätigkeit bis hin zur Unterstützung der Kinder- und Jugendarbeit. Der Verein mit derzeit rund 120 Mitgliedern unter Leitung von Dieter Mombour als Vereinsvorsitzender und Ralf Koch als Geschäftsführer ist heute aus unserer Arbeit nicht mehr wegzudenken. Ich kann mich nur bei allen Mitgliedern des Fördervereins für ihr Engagement bedanken. Neue Mitstreiter sind immer gern gesehen.

Was bedeutet für Sie die Auszeichnung als Qualitätsnaturpark?

Jörg Gast: Sie ist eine Anerkennung unseres bisherigen Wirkens, die Bereiche Naturschutz, Ausbau des Tourismus, Umweltbildung und die Regionalentwicklung unter einen Hut zu bekommen. Das ist kein leichtes Unterfangen, aber auch 2012 werden wir weitere Anstrengungen unternehmen, den hohen Anforderungen gerecht zu werden.

 

Quelle: www.svz.de


 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Foto vom Album: "Qualitätsnaturpark"
Foto vom Album: "Qualitätsnaturpark"
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