+++  Wichtige Informationen  +++     
     +++  Wir suchen DICH !  +++     
     +++  Am Erfolg mitwirken  +++     
     +++  Eine gute Bibliothek  +++     
     +++  Anzeigepflicht  +++     
Drucken
 

Radtour: Goldberger Blicke auf Kirchen und Klöster – Natur und Kultur

Natur-Museum Goldberg

Ausgangspunkt: Goldberg (ca. 30 km) Goldberg – Goldberger See – Neu Schwinz – Lüschow – Lüschower See – Dobbertin – Dobbertiner See – Dobbin – Alten Mühle – Mildenitzdurchbruchstal – Walddorf Kläden – Schwarzer See – Below – Techentin – Zidderich – Steinbeck - Goldberg Wir treffen uns in Goldberg an der Stadtkirche. Die schlichte, einschiffige Kirche, ein gotischer Backsteinbau, wurde um 1290 erbaut. Ein durch Blitzschlag ausgelöster Brand im Jahre 1643 zerstörte den größten Teil des Gotteshauses. Nach dem Ende des 30jährigen Krieges begann der Wiederaufbau. Es fehlte aber an Mitteln, um die Kirche wieder so prächtig entstehen zu lassen. Seither schließt statt der ehemals gewölbten Decke eine flache Bretterdecke den Innenraum ab. Ein schöner Spitzbogen des Ursprungsbaus ist allerdings im Inneren noch erhalten. An Nord- und Südseite gibt es Vorbauten, die Aufgänge zu den im 18. Jahrhundert angefügten Emporen. Das Gotteshaus beherbergt eine Friese- Orgel aus dem Jahre 1876 und eine große Messing-Taufschale aus dem Jahre 1661. An der Ratsempore prangt das Goldberger Stadtwappen. Der dreistöckige Kirchturm mit seinen drei Glocken wurde erst nach 1752 wieder aufgebaut. Übrigens gibt es im Turm einen sehr versteckten Platz. Abgesondert vom Schiff der Kirche steht in einer Ecke eine Bank, von der man früher durch ein Fenster in die Kirche sehen konnte. Dies soll der Platz des Scharfrichters gewesen sein. Sein Beruf galt als unrein und so durfte er den Kirchenraum nicht betreten. Gegenüber der Kirche finden wir das Pfarrhaus, einen hübschen Ziegel-Fachwerk-Bau. Wenden wir uns nun unserem eigentlichen Tagesausflug zu: Wir verlassen den Kirchplatz, überqueren die Kirchenstraße und fahren zur Langen Straße. Links werfen wir einen Blick auf das 1828 erbaute Rathaus, dessen neugotisches Türmchen erst 25 Jahre später aufgesetzt wurde. Im Geländer des Balkons erkennen wir wieder das Stadtwappen Goldbergs. Wir überqueren nun die Lange Straße und fahren die Schulstraße entlang. Dabei kreuzen wir die Jungfernstraße, wo wir rechts die katholische Kirche sehen, die 1845 als jüdische Synagoge erbaut worden war. Sie ist ein wuchtiger Saalbau mit vorgesetztem Westturm. 1956 wurde die Fassade in neugotischem Stil umgebaut. Wir folgen nun der Schulstraße, passieren die Schule am Schützenplatz und biegen schließlich in die Parkstraße ein. Wenig später kommen wir am Heimatmuseum vorbei, das als ehemalige Wassermühle die Kraft des fließenden Wassers der Mildenitz nutzte. Der Goldberger Kunstmaler Heinrich Eingrieber gründete 1927 das Museum. Heute beherbergt der eingeschossige Fachwerkbau beachtliche, liebevoll präsentierte Exponate der Natur- und Heimatgeschichte der Umgebung. Geradeaus über den Müllerweg erreichen wir die Güstrower Straße, in die wir rechts einbiegen. Am Ortsende stoßen wir auf einen asphaltierten Radweg, der uns zum Goldberger See führt. Dort gibt es Camping- Bademöglichkeiten. Vorbei an einem ehemaligen Armeeobjekt am Goldberger See führt uns ein ausgeschilderter Radweg nach Schwinz. An der Straße biegen wir jedoch nicht rechts nach Schwinz ab, sondern links, wo wir bald auf einen Rastplatz mit Spielmöglichkeiten für Kinder treffen. Von hier führt uns ein landschaftlich reizvoller Landweg nach Neu Schwinz. In Neu Schwinz ist ein Besuch der Fischräucherei „Straßburg“ mit Verkostung der „Rauchware“ zu empfehlen. Während dieser Rast kann man von der Räucherei aus den herrlichen Blick in die abwechslungsreiche Landschaft genießen. Wir fahren nun auf dem Landweg zur Straße zurück und biegen rechts ab. Nach einem kurzen Stück Straße biegen wir wieder rechts nach Lüschow ab. Dort kann man dem Landschaftsmaler Horst Meyn über die Schulter schauen. Er wohnt am Weg nach Dobbertin. Vorher können wir aber noch dem nahen Lüschower See mit seinem Steilufer einen Besuch abstatten. Der alte Landweg führt uns nun nach Dobbertin, dessen doppeltürmige Klosterkirche uns schon aus der Ferne grüßt. Wir kreuzen noch einmal die Bundesstraße, bevor wir die 1220 gegründete Klosteranlage Dobbertins erreichen. Zunächst als Benediktiner-Mönchkloster gegründet, wurde die Anlage schon zwischen 1230 und 1234 zum Nonnenkloster. Die lutherische Reformation setzte sich erst 1572 vor Ort durch. In der Folge erhielten die mecklenburgischen Landesstände das Kloster Dobbertin zur Versorgung ihrer ehelosen Töchter. Die Dobbertiner Klosterkirche ist die einzige doppeltürmige Kirche Mecklenburgs. Sie wurde zunächst noch turmlos im 14. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. 1828 – 1837 wurde sie nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel durch den Baumeister Georg Adolph Demmler umgestaltet und erhielt so auch die Doppeltürme. Innen blieben große Teile des kreuzrippengewölbten Backsteinbaus und der barocken Innenausstattung erhalten. Von den südwestlich anschließenden Klostergebäuden sind der vierflügelige Kreuzgang und das zweischiffige Refektorium aus dem 13./14. Jahrhundert erhalten geblieben. Heute befinden sich in den Klostergebäuden ein Pflegeheim und eine Sonderschule, so wie angegliederte, geschützte Werkstätten. Sie können die Klosteranlage besichtigen, Führungen werden von dort direkt angeboten. Der Dobbertiner See bietet neben Badestellen und Campingplätzen auch die Möglichkeit, seine landschaftlichen Reize während einer Tour mit dem Fahrgastschiff zu genießen. Von der Seeseite aus ist übrigens auch die Klosterkirche am besten zu sehen. Nach unserem Besuch in Dobbertin gibt es nun mehrere Möglichkeiten, um zur Schulstraße und somit zum Ortsausgang Richtung Dobbin / Below zu kommen. Eine wäre am See entlang an der alten Wassermühle vorbei, die nächste durch den Park ins Dorfinnere. Wir fahren die Lindenstraße und die Straße der Jugend entlang, wo schöne Backsteinbauten stehen. Es ist im Grunde eine durchgehende Straße, die an der alten Post eine Namensänderung erfährt. Das Gemeindebüro mit Touristinformation war früher am Ende der Straße, welche heute in der Krugscheune Dobbertin, Kleestener Weg 10 zu finden ist. Wir sehen auf der gegenüberliegenden Seite den Landgasthof „Zwei Linden“, wo wir gegebenenfalls den Hunger bekämpfen können. Für eine Erfrischung kann das „Eiskaffee Kentzler“ sorgen. Beachtenswert sind bei unserer Ausfahrt die beiden reetgedeckten Niederdeutschen Hallenhäuser an der Güstrower Chaussee. In diesen typischen alten Bauernhäusern lebten einst Mensch und Vieh unter einem Dach. Über die Schulstraße verlassen wir nun Dobbertin. An der Asphaltstraße bis zum Abzweig Dobbin wachsen mächtige Robinien, die im Mai und Juni zur Blütezeit einen betörenden Duft verströmen. Hinter einem fast in die Straße hinragenden Haus biegen wir nun rechts nach Dobbin ab. Der urtümliche Ort ist geprägt durch alte Lehm- / Fachwerk- und Backsteinhäuser, die um 1890 gebaut wurden, und von denen auch heute noch einige reetgedeckt sind. Dobbin wurde auf einer Halbinsel im ehemaligen Dobbiner See angelegt. Der See lässt sich heute nur noch erahnen. Er wurde bereits im 19. Jahrhundert entwässert. Die tiefer liegenden Wiesen, Dobbiner Plage genannt, rund um das höher gelegene Dorf, deuten seine Lage an. Schon zu Zeiten der Slawen und der Dobbertiner Mönche hatte man sich um die Trockenlegung und Nutzung der nassen Wiesen bemüht. Der Name Dobbiner Plage verweist auf die damit verbundene überaus harte Arbeit. Der mit Wachholder bestandene Hügel inmitten der Plage wird Paradieskoppel genannt. Er steht unter Naturschutz, da hier zahlreiche, seltene Pflanzen gedeihen. Wir müssen aber bereits am Dorfeingang von Dobbin links abbiegen, um nun zur sogenannten Alten Mühle und zum Mildenitzdurchbruchstal zu gelangen. Wir fahren bis zu einem breiten Weg und biegen dort rechts ab. Von der namensgebenden Mühle, einer Wassermühle, ist heute nichts mehr zu sehen. Wir treffen auf einen Parkplatz und Sitzgruppen sowie eine Karte mit Informationen über das Mildenitzdurchbruchstal. Die Mildenitz schlängelt sich übrigens von Karow bis zur Warnow durch eine Reihe kleiner Seen. Hier durchbricht das Flüsschen wildromantisch die Hügel der Endmoräne. Hier finden wir auch Informationen zum 1,5 km entfernten Walddorf Kläden, wo es ein Gehege mit Wildgänsen gibt und wohin wir gern einen Abstecher machen können. Man kommt unterwegs an alten, knorrigen Eichen vorbei, deren größtes Exemplar einen Stammumfang von über 7 Metern aufweist. Aber zurück zur Alten Mühle: Hier beginnt ein Rundweg zum landschaftlich reizvollen Schwarzen See, der auch eine Bademöglichkeit bietet. Den Rundweg können wir in die Tour mit einbeziehen. Planmäßig setzen wir nun unseren Weg von der Wassermühle aus kommend fort und biegen rechts ab, um einen Teil des oben genannten Rundwanderweges zu folgen. Wir passieren schließlich den Sandsee, der uns reizvolle Blicke gewährt. Wir fahren weiter und nehmen an den Bahngleisen den Weg nach links. Auf diese Weise gelangen wir nach Below. Im Kreuzungsbereich befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite ein wunderschöner Dreiseithof. Das am Ende des Hofes quergestellte Wohnhaus wird seitlich von großen Wirtschafts- und Stallgebäuden flankiert. Mit dieser Hofform lehnte man sich an die Gutsstrukturen an, und der jeweilige Bauer brachte auf diese Art und Weise seine soziale Stellung im Dorf zum Ausdruck. In der Dorfmitte Belows finden wir eine spätgotische Feldsteinkirche aus dem Jahre 1299. Der hölzerne Turm mit seiner achteckigen spitzen Turmhaube beherbergt zwei alte Glocken (1496, 1556), was ausgesprochen selten ist, denn während der Weltkriege fielen sehr viele Glocken aus der Umgebung der Rüstungsindustrie zum Opfer. Als Besonderheit finden wir im Inneren der Kirche ganzflächige Wandmalereien aus der Erbauungszeit, die, an der Nordwand beginnend, rechts umlaufend die Heilsgeschichte darstellen. Der Fries endet mit der Himmelfahrt und der Dreieinigkeitsdarstellung. Umrahmt sind die Fresken von gotischem Rankenwerk. Die alte Belower Dorfschule, ein Backsteinbau am Ortsausgang Richtung Kadow, beherbergt die 1998 eröffnete Heimatstube mit Utensilien des Dorflebens vergangener Tage. Wir verlassen Below, vorbei am auf einem Schornstein thronenden Storchennest, in Richtung Techentin. In Techentin finden wir eine gotische Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert. Der aus einem Achteck gebildete Chor wurde wohl erst hundert Jahre später angebaut. Der hölzerne Turm entstand wahrscheinlich erst im 15. und 16. Jahrhundert, als die Glocken einer Kirche sehr große Bedeutung hatten und weit zu hören sein mussten. Die Dorfbewohner entnahmen dem jeweiligen Glockenklang, ob zum Gottesdienst gerufen wurde, es einen Sterbefall gab, Katastrophenalarm war oder sogar, ob eine Braut auch als Jungfrau in die Ehe ging. Techentin hatte aber mit seinen Glocken kein Glück. Eine Glocke wurde 1566 zur Herstellung eines Uhrblattes nebst Zeiger für das Goldberger Amtshaus geholt. Zwei Glocken mussten nach Ludwigslust geliefert werden, eine, als diese Stadt zur Residenzstadt ausgebaut wurde, die zweite, als die katholische Kirche gebaut wurde. Und auch die Weltkriege forderten ihren Tribut. Einzig die kleinste Glocke mit einem Durchmesser von 65 cm aus dem Jahre 1850 blieb den Techentiner erhalten. Heute gibt es wieder zwei Glocken im Techentiner Kirchturm. Wir verlassen Techentin in Richtung Zidderich auf einem asphaltierten, heckengesäumten Feldweg durch die hügelige Landschaft und gelangen so, rechts abbiegend, nach Zidderich. Diese Reste eines Gutsparkes lassen uns die Existenz eines früheren Gutshauses erahnen. Das alte Zidderich lag vormals auf einem Hügel am Dobbertiner See. Dort stand auch eine Kirche, die jedoch im 18. Jahrhundert abgebrochen wurde. Auf dem Acker sind noch Backsteinreste zu finden. Eine der Ziddericher Kirchenglocken kam vorübergehend nach Techentin. Von Zidderich aus fahren wir jetzt zur L 15, die wir dann links ab nach Steinbeck wieder verlassen. Wir kommen auf einem Radweg über das Gelände der Agrargenossenschaft direkt nach Goldberg. Wir überqueren wieder die Mildenitz. Ein Wanderweg zum Dobbertiner See, der an bronzezeitlichen Hügelgräbern vorbeiführt, zweigt unterwegs links ab. Über den Bollbrügger Weg fahren wir in Goldberg ein. Wir streifen links die John-Brickman-Straße, wo wir die 1980 eröffnete Walter-Husemann-Schule sehen. Hinter dem Supermarkt biegen wir rechts ab, halten uns dann links und fahren durch die Fritz-Reuter-Straße. Dabei kommen wir am rechts gelegenen Fritz-Reuter-Garten vorbei. Ein letztes Mal überqueren wir die Mildenitz und gelangen schließlich wieder zur Goldberger Stadtkirche, wo wir unsere Tour beenden. Udo Steinhäuser