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Kirche Woosten

Vorschaubild

Weithin sichtbar ist die Kirche zu Woosten, auf einer kleinen Anhöhe stehend. Der Backsteinbau mit dem Fachwerkturm, auf einem Feldsteinsockel erbaut, passt sich harmonisch in die umgebende Landschaft ein.

Wie bei alten Bauten, so ist auch die Kirche zu Woosten nicht in einem Stück erstanden. Beim Rundgang um die in der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik entstandenen Kirche sieht man dicke Mauern mit rundbogigen und spitzbogigen Fenstern und Portalen, die z.T. zugemauert sind. Die Giebel auf der Ost- und Westseite haben Verblendungen, teils im Rund-, teils im Spitzbogen. Der Fachwerkturm ist sehr viel später, im Jahre 1618 als Dachreiter auf das westliche Kirchenschiff aufgesetzt worden.

Betritt man das Innere der Kirche durch ein altes Rundbogenportal auf der östlichen Südseite, fallen vier mächtige Holzsäulen auf, auf denen der Turm ruht. Auf einem Querbalken an der Decke der Orgelempore ist das Alter des Turmes bezeugt: ANNO 1618 DEN 28 IANVARIJ

Auffallend sind die schönen, dreigeteilten Fenster aus farbiger Bleiverglasung. Im Jahr 1889 wird die Kirche, wie viele Kirchen, die unter dem Patronat des Großherzogs stehen, renoviert und bekommt eine neugotische Einrichtung – es gibt davon eine Abbildung in einer alten Konfirmationsurkunde -, die jedoch wieder in einer neuerlichen Renovierung 1962 entfernt wird, nur noch Einzelteile davon sind vorhanden.

Wenden wir uns dem hellen hohen Chor zu. Statt des alten neugotischen Kanzelaltars wird während der Renovierungsphase 1962 ein einfacher Altartisch aufgemauert. Darauf steht ein Relief, das das Abendmahl zeigt – ein Relikt einer der älteren Einrichtungen in neuer Rahmung, rechts und links davon die Figuren der Evangelisten Lukas und Johannes.

Über den Altartisch erhebt sich ein schönes altes Triumphkreuz, das noch aus der Entstehungszeit der Kirche stammt und das, früheren Abbildungen folgend, im 19. Jh. an der Nordseite des Chores hing.

Die Kanzel, die im vorderen nördlichen Teil des Altarraums steht, wurde dem neugotischen Kanzelaltar entnommen und neu angestrichen. Eine auffällig schöne Tauffünte aus Sandstein, mit reichen Barockverzierungen, das Becken getragen von vier Putti, steht auf der Südseite des Chorraums. Entstehungsjahr und Stifter sind durch eine Inschrift übernommen: Gesetzt 1612. Den 8. Januari Elar Grabow S. Dorothea v. Stralendorf

Das Schiff der Kirche wird von einer Balkendecke begrenzt. Sie weist an den Ecken der Balken auffällige Verzierungen auf. An der Nordseite der Wand des Triumphbogens ist eine Grabplatte angebracht. Eine Randleiste um diese Grabplatte herum zeigt im Erzguß in ihrer Inschrift, dass hier Elar v. Grabow 1607 begraben wurde.

Die Orgelempore aus dem Jahre 1618 zeigt eine reiche Flachschnitzerei im klar gegliederten Renaissancestil. Ein Gang auf die Orgelempore lohnt sich. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1859 und ist von der Orgelbaufirma Lütkemüller aus Wittstock gebaut. Friedrich Hermann Lütkemüller (1815-1897) baute zweckmäßige und schön klingende Instrumente mit mechanischer Schleiflade; etwa 40 Orgeln, ca. ein Fünftel seines Gesamtschaffens, lieferte er in das damalige Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Die einmanualige Orgel mit angehängtem Pedal ist heute noch in einem guten Zustand und sehr geeignet für ihre Aufgabe, den Gemeindegesang zu begleiten. (Disposition: Subbaß 16’, Prinzipal 8’, Gedackt 8’, Gambe 8’, Flöte 4’, Praestant 4’)

An der Ostseite der Orgelempore hängt ein Epitaph (= Denkmal oder Schrifttafel zum Gedächtnis an einen Toten) aus dem Jahr 1669, in dem Heinrich v. Linstow seine verstorbene Frau, Maria Dorothea, geb. v. Zülow und sein Söhnchen, Georg Baltzer v. Linstow, betrauert.

Noch eine Besonderheit begegnet uns auf der Orgelempore, eine kleine Vesperglocke, die dort gelagert ist. Sie könnte noch aus dem 14. Jh. stammen, da sich der Pommersche Doppeladler im Schriftkranz befindet, also aus der Zeit, in der Woosten zum Kloster Neuenkamp gehört hat.

In dem hohen Glockenturm hingen ursprünglich einmal zwei Glocken, 1917 wird eine der beiden beschlagnahmt, 1937 wieder ersetzt und durch eine neuerliche Beschlagnahme 1942 wieder vom Turm geholt. Die jetzt noch hängende Glocke wurde 1838 von der in Rostock ansässigen Firma F.E. Haack umgegossen. Sie hat einen Durchmesser von 0,75 cm, ein Gewicht von etwa 250 kg und klingt auf dem Ton cis.

Vom 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein war Woosten unter ritterschaftlichem Patronat. So sind die einst hier ansässig gewesene Gutsherrenfamilien eng verwoben mit der Geschichte der Kirche. Ein Vermächtnis an die Kirche zu „Woceten“ des Rostocker Gärtners Frise im Jahre 1269 zeigt an, dass zu dieser Zeit die Kirche bereits bestand oder sich im Bau befand. Das Dorf gehörte damals zum Eigentum des Klosters Neuenkamp (s. Vesperglocke), in dessen Besitz es bis 1419 verblieb, um dann in die Hände der Familie von Grabow (s. Tauffünte und Grabplatte) zu gelangen. Um 1660, nach dem 30-jährigen Krieg, geht es über an den schwedischen Major Trapmann und dessen Sohn, dann an Lewin Heinrich v. Linstow (s. Epitaph) und dessen Sohn, ab 1707 ist es wieder Grabowscher Besitz. 1751 übernimmt es Familie v. Plessen, aber bereits 1752 gelangt es an die herzogliche Kammer, 1849 wird es dem Besitz des großherzoglichen Hausguts zugeordnet.

Besichtigungen und Führungen sind möglich. Nachfrage bei:
Ursula Lohrke
Dorfstr. 21 (Haus neben der Kirche)
19399 Woosten
Tel.: (038736) 43003

Pastor: Christian Banek
Dorfstraße 20
19399 Woosten
Tel.: (038736) 41425

Fax: (038736) 809955

Email:


Verwandte Literatur:
Freudenkreis Mecklenburger Lütkemüller-Orgeln e.V. (Hg.), Lütkemüller-Orgeln im Landkreis Müritz, Röbel/Müritz 2000. Friedrich Schlie, Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin, IV. Band, Schwerin 19 01, S. 396-400. Egon Wulf, 725 Jahre Kirche Woosten, 1994

(Hg. Förderverein Kirche Kuppentin e.V., Redaktion: Angelika v. Fuchs)